Bankkarte für Kinder

Gibt es DAS richtige Alter, ab dem Kinder bereit für ihre erste Bankkarte sind? Zumindest gibt es gesetzlich betrachtet ein Alter, ab dem Kinder eingeschränkt geschäftsfähig sind – und zwar mit sieben Jahren. Das besagt § 106 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Ab diesem Alter können Kinder dann ein Bankkonto eröffnen und somit auch eine entsprechende Bankkarte beantragen.

Natürlich geht das nur mit der Einwilligung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Sie nämlich tragen die Kontoverantwortung.

Wie genau funktioniert eine Bankkarte für Kinder?

Es gibt unterschiedliche Bankkarten-Modelle, die Banken und Sparkassen ihren jungen Kunden anbieten – natürlich immer in Verbindung mit einem Bankkonto, das mit der Bankkarte verknüpft ist:

  • die einfache Bankkarte: Bei dieser Variante handelt es sich um eine Karte, mit der Kinder beispielsweise Ihr Taschengeld auf ihr Konto einzahlen oder auch abheben können. Das wiederum geht nur direkt am Bankschalter oder am Geldautomaten. In Geschäften bezahlen, können Kinder mit dieser einfachen Bankkarte jedoch nicht.
  • die Girokarte/Debit-Karte: Neben dem Ein- und Auszahlen über Geldautomaten oder den Bankschalter, können Kinder mit dieser Karte auch in Geschäften bezahlen – manchmal kontaktlos und immer mit PIN. Zudem ist es auch möglich, mit einer Girokarte online zu bezahlen.
  • die Prepaid-Karte: Diese Option ist im Prinzip vergleichbar mit einer aufladbaren SIM-Karte für Smartphones. Dabei wird ein entsprechendes Guthaben auf die Karte geladen. Mit der Karte selbst kann man dann im Prinzip genauso Geld abheben oder in Geschäften bezahlen wie mit einer Girokarte. Der entscheidende Unterschied: Ist das Guthaben der Prepaid-Karte verbraucht, sind (Aus-)-Zahlungen nicht mehr möglich. Ein Kreditrahmen existiert hierbei nicht.

 

Neben diesen Funktionen beinhalten einige Kontokarten für Kinder auch kleinere Kontrollmechanismen. Dazu kann beispielsweise gehören, dass:

  • nur bestimmte Geldbeträge abgehoben können.
  • nur spezielle und altersgerechte Dinge in Geschäften mit der Karte bezahlt werden können.
  • das kontaktlose Bezahlen nicht aktiviert ist.
  • die Bankkarte des Kindes eine unsichtbare Kennzeichnung trägt. Händler bzw. deren Terminals erkennen damit sofort, dass es sich hierbei um die Karte eines Kindes handelt.

Das alles bietet einen ersten und guten Schutz.

Welche Vorteile bieten Bankkarten für Kinder?

Ein dickes Plus, das Bankkarten für Kinder bieten, besteht sicherlich darin, dass die Kleinen mit der Karte praktisch eine fassbare Verbindung zwischen virtuellem und physischem Geld in der Hand haben. Nach ihrer ersten Begegnungen mit Geld als etwas, das man im wörtlichen Sinne begreifen, zählen, ins Sparschwein werfen oder auch auf die altbewährte Ladentheke legen kann, ist der Umgang mit einer Bannkarte sozusagen die nächste Unterrichtseinheit in Sachen Finanzerziehung und Finanzwissen. Wie funktioniert eine Bankkarte eigentlich?  Was ist bargeldloses Bezahlen? Woher kommt das Geld, das auf der Karte ist? Was passiert, wenn die Bankkarte „leer“ ist, verloren geht oder gestohlen wird?

Zudem bieten Bankkarten für Kinder ja auch die Möglichkeit, dass Kinder ihr Taschengeld oder ihre Geldgeschenke zum Geburtstag und für gute Zeugnisse mit der Karte direkt auf ihr Sparkonto einzahlen können. Insofern ist auch das Sparen ein nützlicher Nebeneffekt von Bankkarten.

Schließlich lernen Kinder beim Gebrauch ihrer Bankkarte schrittweise, eigenverantwortlich mit ihrem Geld umzugehen und übernehmen damit mehr und mehr Eigenverantwortung für ihre Finanzen. Dazu gehören Experten zufolge auch finanzielle Fehlentscheidungen: Solange diese nämlich noch in Begleitung der Eltern getroffen werden, können Mama und Papa entgegensteuern, Zusammenhänge erklären und Fehl- oder Impulskäufe aufarbeiten.

Nicht zuletzt sind Bankkarten auch dann sinnvoll, wenn Kinder auf Klassenfahrt gehen oder auf eine Freizeit ohne Eltern fahren. Während nämlich Bargeld verloren gehen oder gestohlen werden kann, ist eine Bankkarte ihrerseits zumindest durch eine PIN geschützt und auch versichert.

 

Worauf sollte ich bei einer Bankkarte für Kinder achten?

Ähnlich wie bei Bank- oder Kreditkarten für Erwachsene, sollten Sie auch bei Bankkarten für Kinder unterschiedliche Kriterien heranziehen, um zu entscheiden, welches Angebot das Beste ist:

  • Kosten: Werden Gebühren für die Karte und das dazugehörige Konto (also Kontoführung und eventuell auch Überweisungen) erhoben?
  • Zusätzliche Prepaid-Karte: Bietet die Bank neben einem Kinder-/Jugendkonto und entsprechender Girokarte auch eine Prepaid-Kreditkarte an? Falls ja, gibt es diese kostenlos dazu?
  • Geldautomaten: An wie vielen Automaten ist das Abheben von Geld kostenlos (Cash-Groups der Banken/Sparkassenverbund)?
  • Flexibilität bei den Funktionen: In welchem Maß bzw. wie flexibel und einfach können Sie die Funktionen der Bankkarte Ihres Kindes beschränken/erweitern? Gerade dann, wenn Kinder eine Bankkarte haben, die auch das Online-Bezahlen,  In-App-Käufe oder das Bezahlen von Streaming-Angeboten zulässt  – d.h. über klassisches Online-Banking oder auch in Verbindung mit einer App – sollten Sie sehr genau hinsehen und wenn nötig, diese Bankkarten-Funktionen vorerst nicht zulassen bzw. deaktivieren.
  • Keine Überziehung möglich: Lässt die Bankkarte auch wirklich keine Überziehung des Kontos oder des Guthabens zu? Ist die Bankkarte also wirklich mit einem 100-prozentigem Guthabenkonto verknüpft? Zwar dürfen Banken in Deutschland Kindern und Jugendlichen nur dann einen Überziehungsrahmen einräumen, wenn die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten hier explizit einwilligen, doch ein detaillierter Blick ins Kleingedruckte der Geschäftsbedingungen lohnt in jedem Fall.
  • Überblick: Ist es möglich, dass Sie wie auch Ihre Kinder jederzeit einen Überblick darüber haben, was alles an Transaktionen über die Bankkarte des Kindes läuft? Gibt es also (digitale) Kontoauszüge und/oder eine Verknüpfung des Kontos und der Karte mit einer App, über die alle Kontobewegungen abrufbar sind?

Was sagt die Wissenschaft?

Zum Thema „richtiges Alter für Bankkarten und Bankkonten bei Kindern“ empfehlen Wissenschaft und Kreditwirtschaft ein Mindestalter von zwölf Jahren.

Sowohl der Verband Deutsche Kredit­wirt­schaft wie auch das Deutsche Jugendinstitut sind nämlich der Meinung, dass Kinder erst ab diesem Alter das Prinzip des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zumindest in seinen Grundzügen verstehen. Und damit verbunden auch die Risiken einordnen können, die sich aus dem Bezahlen mit einer Plastikkarte ergeben. Denn solange man gerade als Kind das Geld, das man ausgibt, weder in Münzen und Scheinen sehen noch anfassen kann, erscheint es eben auch nicht als wirkliches Geld.

Was machen andere Länder (anders)?

Die Schweizer, so die Ergebnisse der von Credit Suisse in Auftrag gegebenen Schweizer Taschengeld-Studie,  trauen ihren Kindern erst ab einem Alter von 16 Jahren den verantwortungsvollen Umgang mit einer eigenen Bankkarte zu.

In Großbritannien, so eine geneeinsame Studie des Moskauer Analysezentrums NAFI und des globalen Netzwerks Child & Youth Finance International (CYFI) zum Thema „Children and Finance“ hat fast jedes fünfte Kind zwischen 8 und 14 Jahren eine Bankkarte, die mit dem Konto der Eltern verbunden ist.

Finanzinstitute in den USA und Großbritannien, die ausschließlich auf digitale Banking-Lösungen setzen, zielen mit ihren App-basierten Debit-Karten auf die Ansprache der Tech- und App-affinen Zielgruppe der Millenials bzw. der Generation Z (also alle, die ab der Jahrtausendwende zur Welt gekommen sind).

Bei einigen dieser Fintechs gibt es nicht einmal ein Mindestalter in Sachen Bankkarte. Dass damit schon die Kleinsten an den bargeldlosen Zahlungsverkehr herangeführt werden sollen, wundert kaum. Schließlich verfügt alleine die US-amerikanische Generation Z über eine Kaufkraft von 150 Milliarden US-Dollar. Und früh übt sich, wer später konsumfreudiger Kunde mit eigenem Konto und eigener Kreditkarte werden soll.

Fazit:  Ab welchem Alter ein Kind bereit für seine erste Bankkarte ist, hängt natürlich zunächst von vielen individuellen Faktoren ab. Wie sehr interessiert es sich für Geld? Wie weit kann es schon abstrahieren? Wie steht es mit den Erfahrungen, was digitales/virtuelles Geld angeht?

Wenn Sie beispielsweise zunächst mit einer einfachen Bankkarte starten, mit der Ihr Kind nur auf sein Konto einzahlen und nur kleine Beträge abheben kann, ist dies ein erster und zugleich behutsamer Schritt in Richtung finanzielle Eigenverantwortung.  Die Funktionen der Bankkarte sollten dann Schritt für Schritt erweitert werden können, im Tempo der Entwicklung des Kindes. Ebenso wichtig ist es, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Kind jederzeit einen Blick auf das Konto werfen können und darüber sprechen.

Lesenswerte Links:

Die 2017er-Schweizer Taschengeldstudie von Credit Suisse (Deutsch) gibt es hier als PDF

Die Children and Finance-Studie von NAFI und CYFI (Englisch) gibt es hier als PDF

Wie UK- und US-Fintechs um die Gunst und Bankkarten der Kleinsten kämpfen, lesen Sie auf (auf Englisch) auf Reuters online

Finny Apps jetzt testen