Geduld mit Geld und
Finanzerziehung mit Verstand

Wie sehr beeinflusst das familiäre Umfeld die Entwicklung von Geduld? Wie wirkt es sich auf Kinder aus, wenn trotz aufgebrachter Geduld das Versprechen auf die doppelte Menge an Süßigkeiten nicht eingehalten wird? Darum geht es in diesem Beitrag.

Experimente mit Marshmallows und Überraschungs-Eier

Manche kennen es noch als Marshmallow-Experiment, anderen ist sie als lustiger Werbespot für das Ü-Ei bekannt: die Geduldsprobe für Kinder. Ein Erwachsener stellt einem Kind ein Marshmallow respektive ein Überraschungs-Ei vor die Nase, in Verbindung mit einer kniffligen Aufgabe: Wenn Du wartest, bis ich wiederkomme, bekommst Du die doppelte Menge.

Dann verlässt der Erwachsene den Raum und das Kind bleibt alleine zurück – mit seiner Impulskontrolle und dem kleinen Engelchen und Teufelchen auf seinen Schultern: sofortige Befriedigung des Verlangens nach Süßem bzw. schnelle Auflösung des Rätsels, was sich im Überraschungs-Ei versteckt versus Belohnungsaufschub, also das Versprechen des Erwachsenen, dass die eigene Geduld am Ende doppelt belohnt wird.

Nun ist das eigentliche Marshamallow-Experiment des Harvard- und Stanford-Psychologen Walter Mische bereits ein gutes halbes Jahrhundert alt und hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur Bestätigung erfahren. Das gilt vor allem für die Langzeiterkenntnisse. Wurden aus den geduldigeren Kindern später wirklich ausschließlich erfolgreichere weil geduldigere Erwachsen, die ihre Impulse gut kontrollieren und steuern können? Wie sehr beeinflusst die Selbstregulation von Mama und Papa oder auch das familiäre Umfeld die Entwicklung von Geduld? Wie wirkt es sich auf Kinder aus, wenn trotz aufgebrachter Geduld das Versprechen auf die doppelte Menge an Süßigkeiten nicht eingehalten wird?

Digitale Marshmallows und das Geld-Geduldsspiel

Stellen wir uns vor, dass die Marshmallows für viele verschiedene Dinge stehen können, also beispielsweise auch für Geld. Stellen wir uns weiter vor, dass wir als Eltern unseren Kindern versprechen, dass sie wenn Geld-Geduld aufweisen, sparen und nicht jeder Versuchung nachgeben, sie dafür später belohnt werden – mit mehr Geld in ihrem Sparschwein oder auf ihrem Sparbuch.

Wir sehen sofort, dass:

  • Moneten irgendwie nicht so lecker aussehen (und schmecken) wie Marshmallows
  • Geld, weniger (be)greifbar und damit viel abstrakter ist, gerade dann, wenn es nur in Form von Zahlen auf einem virtuellen Konto erscheint.
  • die Abwägung zwischen sofortiger Belohnung (also spontaner Konsum) und Belohnungsaufschub (d.h. Geld sparen, um es später gezielter ausgeben oder eben weiter ansparen zu können) schwer fällt, wenn das Ziel nicht plastisch ist und visuell gefasst werden kann. Oder anders gesagt: Wie vermittelt man einem Kind das „Notgroschen“-Konzept, wenn es schlicht und ergreifend und glücklicherweise überhaupt keine Not kennt?

Wie also könnte das Marshmallow-Experiment in digitalen Zeiten aussehen und wie für eine zeitgemäße Finanzerziehung adaptiert werden?

Werte vermitteln, Ziele visualisieren

Verzicht verlangt in gewisser Weise auch Leidensfähigkeit. Will man dem Impuls des sofortigen Kaufs widerstehen, muss die Belohnung umso größere Anziehungskraft ausstrahlen. Und das wiederum tut sie, wenn der Wunsch plastisch dargestellt wird. Andererseits finden sich die meisten Wünsche heute als digitale Abbilder auf Amazon, in der Google-Suche, auf YouTube oder in den Social Media wieder. Schnell landet etwas im virtuellen Warenkorb und ist mit PayPal oder einer anderen digitalen Payment-Lösung mit wenigen Klicks bezahlt. Der Geldwert verschwimmt dabei ebenso schnell wie der Bestellvorgang abgeschlossen ist.

Umso wichtiger also, dass Kinder sich gemeinsam mit Mama und Papa ein Stück weit ihr eigenes Bild vom begehrten Spielzeug, Smartphone, Instrument oder Game machen.

Fünf Tipps wie Kinder das Warten lernen

1. Basteln, malen kleben – ganz klassisch

Wenn dein Kind ein Bild davon malt, was es sich kaufen möchte, wird nicht nur die Fantasie bemüht, sondern ein Stück weit auch vermittelt, dass Wartezeit sinnvoll und spaßig gestaltet werden kann. Dasselbe gilt für Bilder, die selbst fotografiert, aus einem Papier-Prospekt ausgeschnitten und in eine „Wunschmappe“ geklebt und eventuell sogar beschriftet werden. Letztlich ermöglichen selbst gemalte, fotografierte oder gebastelte Bilder eine persönlichere Identifikation mit dem Sparziel und spornen zudem zum Sparen und zur Geduld an.

2. Geldwert fassbar machen

Am Ende ist es so wie mit dem Wachsen. Wenn nämlich dein Kind sieht, dass der Strich im Türrahmen diesen Monat etwas höher liegt als der vom letzten Monat, wird es sich anstrengen, noch schneller zu wachsen. Klar, mit der Körpergröße ist das so eine Sache. Doch ein steigender Sparschwein-Stand oder das zunehmende Gewicht des Sparschweins auf einer Waage vermitteln den Kindern auf spielerische Art und Weise, dass mit dem Sparen etwas vermehrt wird. Und wenn dann noch Buch über die erfolgreiche „Moneten-Mast“ geführt wird, kann Sparen um kindgerechte Finanzerziehung erweitert werden.

3. Spielend Ziele setzen

Warum nicht ein kleines Würfelspiel basteln, dessen Zielpunkt das ersehnte Spielzeug darstellt. Mit jeder Woche Taschengeld rückt man diesem Ziel einen Schritt näher und wenn es für die Hilfe im Haushalt Extra-Geld gibt, kann dein Kind statt einem sogar zwei Felder vorrücken.

4. Versprechen einhalten

Feste Auszahlungstermine für das Taschengeld sollten immer eingehalten werden. Das hält die Sparlaune auf hohem Stand. Und wir wissen aus Marschmallow-Folgeexperimenten: Wurde das Versprechen auf die doppelte Menge nicht eingehalten, aßen die Kinder beim zweiten Versuch die Süßigkeit sofort auf.

5. Ende in Sicht

Nicht nur wir Erwachsene wollen wissen, wann wir welchen Stand erreicht haben und wie weit unser Ziel noch ist. Setze also anfangs gemeinsam mit deinem Kind sehr konkrete Sparziele. Rechne in Zeiteinheiten, mit denen dein Kind etwas anfangen kann: Noch fünfmal schlafen/aufstehen, noch zehnmal in den Kindergarten / in die Schule gehen, etc. und DANN kannst Du dir dein Spielzeug, dein Game oder dein Smartphone kaufen. Oder auch: Noch 200 Gramm / noch drei Striche und das Sparschwein hat genug Geld im Bauch.

Besonders für Kinder ist es zudem wichtig, dass sie in ihrer Geld-Geduld begleitet und bestärkt werden. Wenn Eltern Impulskontrolle vorleben und ihren Kindern in deren Sprache und in ihrer Welt vermitteln, dass Sparen sich lohnt, werden Kinder nach und nach lernen, dass der Verzicht zwar etwas von einem abverlangt, andererseits jedoch das Sparen als Ziel und als Spiel diesen Verzicht mehr als nur kompensiert.

Den Marshmallow-Test als Buch gibt es hier: Walter Mischel: Der Marshmallow-Test: Willensstärke, Belohnungsaufschub und die Entwicklung

Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, wie deutsche und kamerunische Kinder beim Marshmallow-Test abschneiden, empfehlen wir folgenden Artikel auf orf.at: „Marshmallow-Test“ im Kulturvergleich.

Finny macht Finanzen fassbar

Finny verbindet die virtuelle Welt des Geldes mit dem fassbaren Wert von Münzen und Scheinen – als erste Mobile Banking App für Kinder von 7 – 12 Jahren und als lustige Finny-Spardose, die Kinder mithilfe eines Bastelbogens selbst zusammenbauen können . Kinder können ihre Sparziele individuell und virtuell visualisieren und sehen jederzeit, wie viel Geld noch fehlt.

Ihr könnt zudem Geld als Münzen oder Scheine in das lustige „Money-Maskottchen“ Finny einwerfen oder herausholen und erhalten sofort eine Rückmeldung. Die „Zeitmaschine” wiederum visualisiert, wann sie Geld erhalten, gespart oder ausgegeben haben.

Eltern haben die Wahl, ob sie das Taschengeld in bar bezahlen oder bargeldlos überweisen. Mit der Transaktionsübersicht behalten Eltern jederzeit den Überblick über die Taschengeldzuflüsse und die Art und Weise, wie das Geld ausgegeben wurde. So kann die Finanzerziehung jederzeit situativ feinjustiert werden. Gesteckte Sparziele können schneller erreicht und neue Sparziele noch genauer definiert werden.

Mehr lesen über die Finanzerziehungs-App mit Fun-Faktor: Finny Family App und Finny Kids App.

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