Geheimsache Gehalt

„Mama und Papa, wie viel verdient ihr eigentlich?“ Wahrscheinlich hat jeder von uns seinen Eltern irgendwann einmal diese Frage gestellt. Und als Eltern wurden wir wahrscheinlich ebenso das eine oder andere Mal mit dieser Frage konfrontiert. Meistens erwischte sie uns unverhofft und traf mitten hinein in eines der größten Tabu-Themen unserer Gesellschaft: Über Geld spricht man nicht nur nicht, sondern man fragt auch nicht danach.

Mit Kindern über das eigene Einkommen reden

Zu groß ist die Angst, dass man unter Freunden, Bekannten oder Kollegen Neid sähen könnte. Oder auch, dass man selbst voller Frust feststellen muss, wie viel mehr die anderen verdienen, natürlich vollkommen ungerechtfertigt.

Sollten wir aber unseren Kindern dieses Tabu-Denken in Sachen Finanzen wirklich weitergeben oder gar „vererben“? Wäre es tatsächlich sinnvoll, einerseits eine moderne Finanzerziehung anzustreben, um unseren Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit Geld näherzubringen und andererseits mehr als sieben Siegel um unsere Gehaltsabrechnung, unsere „Lohntüte“ oder unser Einkommen zu schnüren? Wecken Geld-Geheimnisse letztlich nicht noch größere Neugierde? Arbeitet diese Geheimniskrämerei nicht einer gesunden Einstellung zu Geld, die wir unseren Kindern ja vermitteln möchten, entgegen?

Vergleichen und ins Verhältnis setzen

Wenn Kinder ihre Eltern fragen, was sie eigentlich verdienen, können sie die möglicherweise genannten Zahlen bis zu einem bestimmten Alter nicht wirklich einordnen. Ob nun 100, 1.000 oder eine Million: Für Kinder klingen alle Summen irgendwie nach viel Geld. Wird man also als Mama und/oder Papa danach gefragt, was man eigentlich verdient, sollte man zunächst das Wort „verdienen“ erklären und den Verdienst dann in eine verständliche Relation setzen:

Wofür bekomme ich das Geld?

Für Kinder ist es spannend zu wissen, was Mama/Papa eigentlich so arbeiten und wofür sie letztlich auch Geld bekommen. Erkläre deinem Kind also deinen Beruf. Was musst du dafür können und was genau machen? Wie viele Stunden musst du arbeiten, wie lange/weit dafür fahren und was musstest du vorher wie lange dafür lernen/studieren? Wer hat letztlich etwas von deiner Arbeit und warum bezahlt man dich dafür? Setze deine Arbeit in ein vergleichbares Verhältnis zu den Stunden, die dein Kind in den Kindergarten oder in die Schule geht. So schaffst du einen ungefähren Rahmen der Verhältnismäßigkeit, an dem sich dein Kind orientieren kann.

Der Gehaltsrechner für Kinder

Dein Gehalt in Form von Summe X ist für dein Kind kaum fassbar. Setze es also in Verhältnisse, die dein Kind aus seinem Alltag kennt und zu Begriffen, die dein Kind schon mal gehört hat. Wenn du also ein Gehalt in Höhe von X hast, wie hoch ist die Miete im Vergleich dazu? Wie viel kosten Essen, Trinken, Kleidung und Urlaub? Lässt sich dein Gehalt vielleicht ins Verhältnis zum Herzenswunsch deines Kindes setzen, beispielsweise zu einem neuen Fahrrad, einem Smartphone oder einer Spielkonsole?

Die Geld-Welt der Kinder als Maßstab

Rechne in den Dimensionen, die dein Kind versteht. Wenn du ihm erklären willst, in welchem Verhältnis der Preis für ein neues Fahrrad oder auch die Miete und Einkäufe zu deinem Gehalt stehen, nehmen Sie sein Taschengeld als Basis. Wie viel davon bleibe übrig, wenn sich dein Kind einen Stift oder ein Spielzeug kaufen würde oder wenn es von seinem Taschengeld Futter für das Haustier bezahlen müsste.

Regelmäßigkeit

So wie du dein Gehalt jeden Monat pünktlich bekommst, solltest du auch das Taschengeld für dein Kind in die Spardose werfen oder aufs erste Konto überweisen. Das nämlich hilft deinem Kind bei der Einordnung vom Verhältnis von einerseits immer wiederkehrenden Einnahmen, die du für deinen Job bekommst, und andererseits regelmäßigen Ausgaben, die genauso pünktlich überwiesen werden müssen, damit andere für ihre Arbeit bezahlt werden können.

Gehalt im Kontext von Geld

Wenn dich dein Kind danach fragt, wie viel du verdienst, dann zumindest anfangs nicht deshalb, um die Höhe seines Taschengelds neu zu verhandeln. Nein, dein Kind will den Komplex „Arbeit“ besser verstehen. Warum gehen Mama und Papa jeden Tag zur Arbeit? Was machen sie dort? Selbst die für Erwachsene selbstverständliche Tatsache, dass man für seine Arbeit mit Geld entlohnt wird, ist Kindern nicht ad hoc klar. Erst, wenn du als Eltern ihnen beispielsweise Extra-Taschengeld für kleinere Hausarbeiten geben, beginnen sie zu verstehen, dass Geld von Erwachsenen auch dafür genutzt wird, um andere damit für ihre Arbeit zu „belohnen“.

(Ent-)Tabuisierung als Teil der Finanzerziehung

Solange man als Eltern eher nebulös über das eigene Einkommen spricht („Reicht zum Leben“, „Könnte mehr sein“, etc.), hilft man seinen Kindern nicht dabei, Geld in Größenordnungen einteilen zu können. Wie viel ist viel, wenig oder genug Geld? Wie teuer ist etwas? All diese und weitere Fragen lassen sich doch am besten dann beantworten, wenn man zu den Ausgaben das Einnahmen-Gegengewicht hat. Wenn diese Größe aber letztlich unter die gesellschaftliche Schweigepflicht fällt, fehlt Kindern eine wichtige Bezugsgröße.

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