Digitale Produkte für Kinder:
Das Ziel ist nur ein kleiner Teil des Ganzen

Wie sollen digitale Produkte für Kinder entwickelt werden, sodass sie den kognitiven, physischen und emotionalen Fähigkeiten des Kindes entsprechen? Die Antwort besteht darin, dass man zwischen der User Experience von Kindern und Eltern unterscheidet, und gleichzeitig berücksichtigt, wie schnell Kinder sich weiterentwickeln, wie sie wachsen.

Erwachsene und Kindern: Was sind die Gemeinsamkeiten?

Sowohl Kinder als auch Erwachsene wollen von einem digitalen Produkt profitieren. Nehmen wir den Fall einer Smartphone App. Während Erwachsene die App nicht einmal öffnen, wenn sie keinen Nutzen darin sehen, sind Kinder sehr neugierig in erster Linie, verlieren aber dann schnell das Interesse. Der Nutzen ist also wichtig sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, obwohl zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Nutzungsphasen der App. “Nutzen” verstehen wir hier im weiteren Sinne. Das könnte auch ein Erfolgsgefühl sein oder eine gute Spielerfahrung.

Außerdem möchten Benutzer einer App, gleich welcher Altersgruppe, eine konsistente Erfahrung haben, was Animationen, Interaktionen, Stile, usw. betrifft. Nichts ist mühsamer als ein Knopf, der sich je nach Screen unterschiedlich verhält. Schlussendlich möchten weder Erwachsene noch Kinder, dass ihre Erwartungen enttäuscht werden. Sie möchten zwar überrascht werden, jedoch nicht in ihren Erwartungen, sondern z.B. durch die Entdeckung von “Easter Eggs”, d.h. etwas das die Erwartungen übertrifft und positive Signale an die Nutzer sendet.

Herausforderungen und Rückmeldungen sind zentral

Neben den Ähnlichkeiten haben Kinder sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten im Vergleich zu Erwachsenen. Es reicht nicht, Inhalte für Erwachsene nur zu vereinfachen. Es ist wichtig, das gesamte Design so zu gestalten, dass es den phyischen und kognitiven Fähigkeiten von Kindern entspricht und auch die emotionalen Bedürfnisse berücksichtigt. Zum Besipiel finden Kinder es toll, wenn sie kleine herausfordernde Aufgaben lösen können, bevor sie ein größeres Ziel erreichen. Dadurch haben sie immer ein Erfolgserlebnis, wenn sie sich dem Ziel einen Schritt weiter annähern.

Eine zweite Sache ist wichtig: Interaktionen, Interaktionen, Interaktionen. Die App muss auf jede Interaktion des Kindes antworten, entweder in Form eines Sounds oder einer Animation. Was Erwachsene nervtötend finden, trifft für Kinder genau das Bedürfnis nach ständigen Rückmeldungen.

Die vier Phasen der kognitiven Entwicklung

Blog FINTUNE

Die Grundregeln für Erwachsene bei der Gestaltung der Benutzererfahrung bleibt in der Regel die gleiche, unabhängig davon, ob 30- oder 40-jährige die App benutzen. Dagegen ändern sich die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern ständig und sehr schnell. Die Kombination von digitalen und physischen Hilfsmitteln hat sich in der Erfahrung von uns bei Fintune bewährt, wenn man verschiedene Altersgruppen erreichen möchte. Finny, unser Produkt für Financial Literacy, besteht sowohl aus einer physischen Spardose als auch einer digitalen Smartphone-App.

In der interessanten Arbeit von Debra Gelman “Design for Kids: Digital Products for Playing and Learning” werden vier Phasen der kognitiven Entwicklung von Kindern präsentiert, die auf dem Entwicklungspsychologen Jean Piaget basieren:

  • sensomotorische Phase (0-2 Jahre)
  • voroperationelle Phase (2-6 Jahre)
  • konkrete operationelle Phase (7-11 Jahre)
  • formale operationelle Phase (> 12 Jahre)

In der sensomotorischen Phase, empfiehlt Gelman keine Bildschirmzeit (Fernsehen, Smartphone), da Babies zwischen 0 und 2 Jahren diese Art der Stimulation noch nicht richtig verarbeiten können. In der voroperationellen Phase dagegen sind Kinder (2-6 Jahre) sehr neugierig, kreativ, und zeigen viel Begeisterung. Obwohl sie kreativ sind, sehen sie hauptsächlich Dinge nur aus ihrer eigenen Perspektive. Darum ist es wichtig, Apps so zu entwickeln, dass sie hauptsächlich deren Perspektive einnehmen. Die Gefühle oder Gedanken anderer spielen in dieser Entwicklungsphase weniger eine Rolle.

In der konkreten operationellen Phase, denken Kinder zwar logisch, haben jedoch Schwierigkeiten, abstrakte Konzepte zu verstehen. Darum sind abstrakte Icons oder Symbole, mit denen Erwachsene vertraut sind, nicht verwendbar für Kinder in diesem Alter. Schlussendlich die formale operationelle Phase: Hier sind Kinder und Erwachsene schon sehr ähnlich. Kinder bilden deduktive Schlussfolgerungen heraus, können die Zukunft planen, und Überlegungen anstellen, die auf Hypothesen basieren, zum Beispiel: “Wenn ich 10€ jede Woche spare, dann habe ich in 2 Monaten das ganze Geld gespart, das ich brauche, um ein Skateboard zu kaufen.”

Unser Motto: Verantwortungsvoll und verspielt

Kinder vertrauen schneller als Erwachsene, weil sie weniger Lebenserfahrung haben, die ihnen beibrachte, vorsichtig zu sein. Ein Unternehmen das Produkte entwickelt, die von Kindern genutzt werden, hat eine hohe Verwantwortung darüber, was Kindern präsentiert wird. Außerdem ist es wichtig, die Eltern zu berücksichtigen: Eltern sollten in den Grundzügen die Kontrolle darüber behalten, was Kinder zu sehen bekommen. Sie sollten die Möglichkeit haben, Einstellungen zu treffen, die Kinder nicht ändern können, z.B. eine maximale Lautstärke einzustellen, damit die App das tägliche Leben in der Familie nicht stört.

Obwohl wir alle Kinder im Geiste sind, sind wir manchmal weit weg von den Erfahrungen der Kinder. Darum ist es wichtig, dass digitale Produkte gemeinsam mit Kindern Schritt für Schritt getestet werden. Da Kinder sich noch nicht so gut sprachlich ausdrücken können, sollte man sie gut beobachten, am besten in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause, wo Spielzeuge liegen, die sie kennen und oft verwenden. Darum haben wir bei Fintune einen Kreis von Familien aufgebaut, mit denen wir neue Funktionen oder Screens ausprobieren können. Manchmal fragen wir Kinder auch, selbst etwas zu zeichnen, damit wir einen Einblick in die Denkweise der Kinder bekommen. Schlussendlich ist der spannendste Teil unserer Reise die Fähigkeit der Kinder, etwas Neues zu erfinden. Die Herausforderung besteht darin, dass wir uns dieser unlimitierten Kreativität aussetzen und von ihr lernen. Oder um es mit den Worten von Debra Gelman zu sagen:

“Wenn man etwas für Erwachsene entwickelt – auch wenn es ich um Spiele für Erwachsene handelt – geht es darum, so schnell und gut wie möglich das Ziel zu erreichen. Wenn man für Kinder entwickelt, dann ist die Ziellinie nur ein kleiner Teil der Geschichte.”

Debra Levin Gelman – Design for Kids_ Digital Products for Playing and Learning (2014, Rosenfeld)
Die Übersetzung wurde von Fintune vorgenommen.

Bleib dran mit Fintune!

Wir sind Fintune. Wir glauben dass Financial Literacy im frühen Kindesalter beigebracht werden soll, um gute Gewohnheiten herauszubilden, die gute Startbedingungen für die nächsten Lebensabschnitte schaffen. Heutzutage kommt Geld in vielen Varianten und Möglichkeiten daher, es auszugeben ist noch vielfältiger und nur einen Klick entfernt. Fintune entwickelt digitale Produkte für Kinder, um die Fähigkeiten, die Empathie und die Kreativität für ein selbstbestimmtes Leben zu schärfen.

In dieser Blogserie “Design Matters” teilen wir wertvolle Ideen und Hintergrundwissen über lehrreiche, spannende digitale Produkte. Bleibt dran!