Konsum: Verzicht oder Aufschub?

Macht Konsum glücklich? Wenn Geld wirklich die Welt regiert, dann gibt der Konsum wohl die Koordinaten an, entlang derer wir uns orientieren und daran auch die Finanzerziehung unserer Kinder ausrichten. Dabei kann doch gerade Konsum-Verzicht zu einem Plus führen – an persönlichem Wohlbefinden, an Lebensqualität und auch ein Gewinn mit Hinblick auf finanzielle Sicherheit.

Zumindest kam eine Studie der University of Arizona aus dem Herbst 2019 unter jungen Erwachsenen zu genau diesen Ergebnissen. In der Untersuchung wurden zwei Versuchsgruppen mit unterschiedlichen Ansätzen bezüglich ihres Umwelt- und ressourcen-schonenden Konsums gegenübergestellt:

  • materialistisch orientierte junge Erwachsene, die ihren Konsum nicht reduziert, sondern ihn in Richtung „Green Buying“ verschoben haben

und

  • junge Erwachsene, die eher auf Verzicht als auf den Kauf umweltverträglicher Produkte gesetzt haben.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diejenigen, die auf Konsum verzichteten, ein insgesamt besseres persönliches Wohlbefinden aufzeigten als diejenigen, die ihren Konsum in Richtung „grün“ und „nachhaltig“ verlagerten.

Konsum-Verzicht sorgt für Tiefenentspannung

Für die Gruppe der Konsum-Verzicht-Probanden ergaben sich spannende Erkenntnisse: Wer auf Konsum verzichtet, begibt sich nicht automatisch in eine entbehrungsreiche Askese noch muss er Einschnitte in Sachen Lebensqualität hinnehmen, sondern profitiert, im Gegenteil, von einer spürbaren Steigerung des persönlichen Wohlbefindens.

Der Grund: Je weniger man sich um die Dinge kümmern muss, die man gekauft hat (und bei Verzicht auf Konsum sind das ja insgesamt sowieso weniger Dinge), desto geringer ist der Stress-Level und desto höher der Zeitgewinn. Diese Zeit wiederum und auch das gesparte Geld lassen sich in Aktivitäten investieren, die wirklich Spaß machen und keinen Ballast, sondern eine nicht unbedingt materielle, sondern emotionale Bereicherung darstellen.

Diejenigen, die auf Konsum verzichten, sehen in den Dingen, die sich kaufen und besitzen, weniger eine Quelle für ein glückliches und befriedigendes Leben als die materialistisch eingestellten Probanden. Der Konsum-Verzicht „lehrt“ sie praktisch, mit begrenzten Ressourcen finanzieller und anderer Art umzugehen bzw. damit sogar glücklicher zu sein und zu bleiben. Das schließlich wirkt sich auch auf deren strategisches Sparverhalten aus: Je besonnener man mit vorhandenen finanziellen Mitteln umgeht und je besser man um deren Begrenztheit weiß, desto präziser setzt man diese Mittel auch perspektivisch ein – für konkrete Sparziele.

Konsum vorausschauend verschieben

Natürlich wollen wir unsere Kinder in Sachen Finanzen „richtig“ erziehen, also zu bewussten Konsumenten machen, die verantwortungsvoll mit ihrem Geld umgehen, die Endlichkeit von Geld verstehen, Impulskäufe vermeiden und dafür eher gezielt auf etwas sparen. Sparen ist letztlich eine Form des Konsumaufschubs. Eine, bei der man den Aufschub dazu nutzt, sorgsam über geplante Anschaffungen nachzudenken und immer wieder zwischen ausgeben und aufschieben abzuwägen.

Andererseits wissen Kinder instinktiv, wie unsere Welt „funktioniert“ und dass der Konsum sie antreibt und am Laufen hält. Wollen wir als Eltern genau diese Einstellung ändern, müssen wir sie natürlich vorleben, uns also öfter den spontanen Konsum verkneifen und dafür gemeinsam mit unseren Kindern lernen, dass Verzicht vor allem mit einem großen Spaßfaktor verbunden ist – beim Selbermachen und natürlich beim Sparen.

Reparatur, Inventur und Ideen

Eine Rolle von den Inline-Skatern ist kaputt, der Stift malt nicht mehr, die Sammelsticker im Album sind allesamt langweilig, die Klingel am Fahrrad gibt nur noch leise Töne von sich: Das sind nur einige von vielen möglichen Szenarien, die wir Eltern allzu gut kennen. Schell wird in solchen Situationen die Konsum-Koordinate in Richtung Kaufhaus ins monetäre Navigationssystem eingegeben und etwas Neues gekauft.

Dabei könnten die Alternativen nicht nur Geld sparen, sondern sogar Spar-Spaß für Mama, Papa und Kinder bringen:

1. „Ersatzteillager“

 

Ist die Rolle an den Inline-Skatern oder das Rad am Roller wirklich dahin, finden sich eventuell im Keller ein Paar Inliner oder ein Roller, das/der ein Rad oder eine Rolle abgeben kann. Eventuell helfen auch die netten Nachbarn mit ihrem Fundus aus – oder die „Kostenlos abzugeben“ Rubrik in den Kleinanzeigen. Diese oder auch den Keller/die Garage/den Dachboden mit den Kindern zu durchstöbern ist doch spannende Detektivarbeit und Entdeckerabenteuer.

2. Inventur

 

Aussortieren statt Konsumieren

Bevor man loszieht und einen kompletten Satz neuer Bunt- oder Filzstifte kauft, kann man gemeinsam die vorhandenen Stifte auf ihre Tauglichkeit fürs Ausmalen überprüfen. Das macht nicht nur Spaß (weil sich bei dieser Gelegenheit natürlich auch prima Bilder ausmalen lassen), sondern kann womöglich auch dazu führen, dass man auf vergessene Stift-Schätze stößt. Vielleicht erkennt man auch, dass es nicht so sinnvoll ist, jetzt Geld für mehrere neue Stifte auszugeben, die wenig kosten und nicht lange halten werden. Aber klar, auf einen Stift zu sparen, der es wirklich in sich hat, ist natürlich auch tolles Ziel.

3. Tauschen

Irgendwann braucht auch der Bestand an Stickern oder Sammelkarten etwas Bewegung. Doch die muss ja nicht durch Konsum ins Rollen gebracht werden. Warum also nicht eine (virtuelle) Tauschbörse organisieren, bei der die Kids tauschen, plauschen und sich austauschen können?

4. Repair-Cafés

 

In immer mehr Städten bieten Ehrenamtliche die gemeinsame kostenlose Reparatur defekter Geräte an. Zusammen kann man da also richtig toll basteln, schrauben, kleben, defekte Geräte zu neuem Leben erwecken und dabei sogar Geld sparen.

5. Weniger Konsum = Mehr Zeit & Platz

Veranschauliche mit deinem Kind, dass mehr neue Sachen immer auch weniger Platz im Kinderzimmer bedeuten. Sprich mit deinem darüber, dass mehr neues Spielzeug auch bedeutet, dass es mehr wegräumen muss. Das schließlich nimmt Zeit fürs Spielen.

Ersparnisse visualisieren, eigenes Konsumverhalten reflektieren

Egal, für welche Idee man sich entscheidet oder gar neue findet: Wichtig ist, dass Kinder verstehen und sehen, wie viel Geld sie beim Reparieren, Nochmals-Benutzen oder Tauschen wirklich gespart haben. Als Eltern kann man beispielsweise einen 20-Euro-Schein nehmen und den Kindern zeigen, dass man dieses Geld durch die Reparatur des Tretrollers gespart hat und diese zwanzig Euro in Relation zum Taschengeld oder dem Sparschwein-Bestand setzen.

Anders gesagt, muss der unbedachte und automatische Konsum als eigenes Verhaltensmuster verstanden, visualisiert und verändert werden, um zu verstehen, warum Kinder genau so „ticken“. Verzicht sollte zudem immer in Verbindung mit Spaß stehen – sei es durch gemeinsames Reparieren oder auch dadurch, dass das Kind ein Bild von etwas malt, auf das es sparen will. Je weniger man für unnötige Dinge ausgibt, desto schneller erreicht man dieses Ziel. Nicht zu vergessen: Die Reparatur defekter Dinge, das „Zusammenflicken“ mit Ersatzteilen oder auch das Upcycling vermeintlich nutzloser Produkte führt Kindern den abstrakten Kreislauf von Wertstoffen konkret vor Augen. Ebenso wichtig ist es Kindern zu vermitteln, dass man sich auf Käufe ebenso gut vorbereiten sollte wie auf den Kindergarten, die Schule, den Besuch bei Freunden oder auf einen Familienausflug: Was genau möchte ich warum kaufen? Welche Alternativen gibt es zum Neukauf? Schließlich sollten Kindern auch die Natur des „Finanzflusses“ verstehen: Geld, das sie ausgeben, ist unweigerlich weg und damit auch dann nicht mehr verfügbar, wenn sie später etwas vielleicht Größeres, Schöneres und Teureres kaufen wollen.

 

Mit Finny Finanzerziehung vorausschauend gestalten

Als erste als Mobile Banking App für Kinder von 7 – 12 Jahren verbindet die Finny Kids App die virtuelle Welt des Geldes mit fassbarem Finanzwissen und wirklichem Geld im Finny „Moneten-Maskottchen“. Kinder können ihre Sparziele visualisieren und den Weg dahin klar definieren. Dabei haben sie wie auch die Eltern jederzeit einen Überblick darüber, wie viel Geld sich auf dem Sparkonto und in der lustigen Finny-Spardose befindet, was herausgenommen und wie viel eingezahlt oder eingeworfen oder eingezahlt wurde. Weiterhin können Kinder durch Aufgaben im Haushalt ihr Taschengeld aufbessern.
Spannende Finanz-Tipps helfen Eltern dabei, ihren Kindern altersgerecht und mit Spaß zu vermitteln, woher Geld eigentlich kommt, wie man es sparen, vermehren und bewusst ausgeben kann. Zudem können Eltern schnell den Lernstand ihrer Kinder sehen und fehlendes Finanzwissen hier und da vertiefen.
Mit der Finny Community können zudem auch Großeltern, Paten, Onkel, Tanten und Freunde Teil der Finny Finanz-Familie werden, etwas zum Taschengeld beisteuern und dabei helfen, dass die Sparziele der Kinder schneller erreicht werden.

 

Finny Apps jetzt testen

Weiterführende Lesetipps

Smartes Sparen durch Kinderreime

Mara Harvey's Book: Smart Way to start

Wenn du dir auf das Thema smartes Sparen einen oder auch mehrere kindgerechte Reime machen willst, empfehlen wir die liebevoll illustrierten und altersgerecht geschriebenen Bücher aus der Reihe „A Smart Way to Start“ (English) von Dr. Mara Catherine Harvey. Die Bücher wurden vor Kurzem auf Deutsch übersetzt und können hier bestellt werden, ein ideales Weihnachtsgeschenk.

Materialismus, Konsumverhalten, und Wohlbefinden

Die Studie „Materialist values, financial and pro-environmental behaviors, and well-being” der University of Arizona findest du hier (auf Englisch):

https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/YC-10-2018-0867/full/html

Bastelideen zum Thema Sparen

Die Sozialpädagogin Jasmin Höcherl hat ein Buch mit Bastelideen zum Thema Sparen und Geld, unterteilt nach Alter, geschrieben, das ihr hier bestellen könnt. Pädagogik und Finanzwelt smart verknüpft. Das Buch ist ein schönes Weihnachtsgeschenk!