Warum Schulden Familiensache sind?

Jedes Jahr veröffentlicht die Auskunftei Creditreform den SchuldnerAtlas Deutschland. Die Ausgabe für 2020 wirft auch einen sorgenvollen Blick auf die Situation der Kinder.  Von den knapp 1,7 Millionen Menschen beispielsweise, die das Angebot der Tafeln in Deutschland nutzen, sind nämlich fast ein Drittel Kinder und Jugendliche, insgesamt also etwa eine halbe Million.

Armutsfaktor Familie

Das Armutsrisiko für Familien steigt vor allem dann, wenn Mama oder Papa alleinerziehend sind oder wenn viele Kinder im Haushalt leben.  Das prägt sowohl das aktuelle wie auch das künftige Leben der Kinder. Denn Studien zufolge hängen auch in Deutschland die Aufstiegs- und Einkommenschancen von Kindern stark mit denen der Eltern zusammen. Anders gesagt, besteht die große Gefahr und Wahrscheinlichkeit, dass die Armut und das Angewiesen sein auf die Tafeln „vererbt“ wird.

Was also können Eltern tun, um Schulden als ein Auslöser von Armut überhaupt erst nicht aufnehmen zu müssen, wie lassen sich Schulden vermeiden und wie kommt man aus der Schuldenfalle heraus – als Eltern und als Familie?

Wie Schulden entstehen

Ein Konsumentenkredit hier, der Überziehungskredit dort, vergessene Rechnungen, für die Mahn- oder gar Inkassogebühren anfallen: Potentielle Schuldenfallen gibt es letztlich viele.

Gerade als Familie mit nur geringem Einkommen können solche Schulden schnell zu Schuldenbergen werden, die alles zu erdrücken scheinen.  Als Eltern möchte man seinen Kindern natürlich auch mal größere, teurere Wünsche erfüllen und sie zum Geburtstag oder zu Weihnachten mit einer ganz besonderen Überraschung erfreuen.  Reicht das Einkommen dazu nicht aus, hilft vielleicht das Sparbuch oder eben ein Kleinkredit. Letztlich aber kann dieses Geld genau dann fehlen, wenn es für Rechnungen gebraucht wird. Werden diese Rechnungen dann nicht bezahlt, kommen zu den Konsum- auch noch die Mietschulden.

Notfall-Schuldner und Schulden-Pragmatiker

Um als Eltern besser zu verstehen, wie man Schulden vermeidet oder auch aus der Schuldenfalle herauskommen kann, kann ein Blick auf verschiedene Schuldner-Typen aufschlussreich sein. Der SchuldnerAtlas Deutschland nennt hier zwei interessante Gruppen:

Notfall-Schuldner: Sie machen wirklich nur dann Schulden, wenn es keinen anderen Weg mehr gibt.

Schulden-Pragmatiker: Mit Schulden finanzieren sie „vorübergehend“ Konsum- und Lebenswünsche. Leider führt diese Pragmatik viele von ihnen zeitverzögert in die Überschuldung.

In Sachen Schulden vermeiden ist es selbstredend, dass man als Eltern mit geringem Einkommen der zweiten Gruppe nicht angehören oder schnell die „Mitgliedschaft“ kündigen sollte.  Denn hier hat man es  schließlich noch selbst in der Hand, Schulden erst gar nicht machen zu müssen, zumindest nicht, um Konsumwünsche zu erfüllen, die sich eventuell noch verschieben lassen.

Gehört man der ersten Gruppe an, sollte man besser früher als später eine der insgesamt über 1.400 Schuldner- und Insolvenzberatungs­stellen in Deutschland kontaktiert werden. Diese werden von Kirchen, Gemeinden und Wohlfahrtverbänden getragen. Die Beratung ist immer kostenlos.

Mit Kinder über Konsumverzicht und Konsumaufschub reden

Gerade dann, wenn das Geld knapp ist, Schulden drohen oder vorhanden sind, ist es als Familie wichtig, dass alle ins Boot geholt werden. So können alle und auch die Kinder können dabei helfen, Schulden zu vermeiden oder sie eben abzubauen:

  • Zeigen Sie Ihren Kindern zumindest grob, wie es finanziell aussieht: Was sind die Einnahmen, was die lebensnotwendigen Ausgaben und welche finanziellen Engpässe drohen eventuell?
  • Erklären Sie Ihren Kindern, was Schulden sind und wann und warum sie gefährlich werden können. Was passiert, wenn man Miete, Strom und Essen nicht mehr bezahlen kann?
  • Fragen Sie Ihre Kinder nach deren Ideen: Wie und wo können wir als Familie Geld sparen?
  • Verdeutlichen Sie Ihren Kindern, dass der Verzicht auf Konsum oder sein Aufschieben auch eine Form des Sparens sind.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über deren Taschengeld: Können Sie es sich noch leisten? Gibt es die Möglichkeit eines Kompromisses, d.h. weniger Taschengeld oder Pausieren?
  • Zeigen Sie Ihren Kindern Alternativen zum Kauf von Dingen auf. Stöbern Sie gemeinsam in den Kostenlos-Kleinanzeigen oder besuchen Sie (virtuelle) Tauschbörsen. Basteln Sie Dinge, die Sie sonst kaufen würden. Bringen Sie gebrauchte Sachen auf Vordermann. Gehen Sie mit Ihrem Kind mit begrenztem Budget einkaufen.
  • Seien Sie Vorbild und verschieben Sie Anschaffungen, die auch warten können. Wägen Sie ab, was genau Sie jetzt als Familie brauchen und worauf Sie verzichten können.
  • Machen Sie Ihren Kindern Hoffnung: Der Verzicht mag jetzt hart sein, doch es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

Schulden sollten geraden in Familien kein Tabu-Thema sein, sondern offen angesprochen und ein eventuelles Schuldenproblem gemeinsam angegangen werden. Und schließlich sollte man auch als Eltern nie vergessen: Der beste Schutz gegen Schulden und Überschuldung liegt in einer gewissen Ausgabenvorsicht, in der Zurückhaltung beim Konsum und auch bei einer gesunden Bereitschaft zum Sparen.

Lesenswerte Links

Adressen der bundesweiten Schuldnerberatungsstellen finden Sie hier

Hier geht es zum SchuldnerAtlas Deutschland 2020

 

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