Wie erklärt man Kindern Zinsen?

Habens- und Sollzinsen, Nominal- und Realzins, Negativzins, Zinseszins, Zinssatz – viele Begriffe und eine Frage, die Kinder sicher irgendwann stellen: Was genau ist das eigentlich? Abstrakt. Das wird vielen Eltern als erste Antwort darauf durch den Kopf schießen. Und tatsächlich sind Zinsen nicht einfach zu erklären.

Denn diese Form der mathematischen Abstraktion wird in den Grundschulen und Unterstufen der weiterführenden Schulen in der Regel noch nicht unterrichtet. Erst ab der Mittelstufe, d.h., wenn die Kinder etwa 12 oder 13 Jahre alt sind, steht die Zinsrechnung auf dem Lehrplan. So lange jedoch wollen viele Kinder nicht auf eine einleuchtende Erklärung warten. Schließlich betrifft es mitunter ja auch ihr Taschengeld, beispielsweise wenn es auf einem klassischen Sparbuch liegt.

Zinsen sind das, was abfällt

Um Kindern eine altersgerechte Fahrkarte ins Zinsumfeld-Universum zu lösen, sollten Eltern sich zunächst auf die beiden häufigsten Formen von Zinsen beschränken, also auf Habens- und Sollzinsen. Schließlich sind dies genau die Zinsformen, die ihnen anfangs am wahrscheinlichsten begegnen.

Habenzinsen

Stellen wir uns einen Moment vor, wir wären Pinocchio. Die rebellische Marionette mit allzu menschlichen Zügen wird eines Tages Opfer eines durchtriebenen Betrugs. Denn der Fuchs und der Kater überreden Pinocchio, seine Goldmünzen um Mitternacht auf dem Wunschfeld zu vergraben. Sie versprechen ihm, dass diese Münzen über Nacht zu einem Geldbaum wachsen und er am nächsten Morgen dann reich ernten kann.

Nun wissen wir natürlich, dass die Geschichte schlecht für Pinocchio ausgeht und er all seine Goldmünzen verliert. Andererseits ist das Bild vom Geld, das Früchte trägt, wenn man es hegt und pflegt (oder an die Richtigen verleiht) gar nicht so verkehrt. Schließlich passiert genau das bei Habenzinsen: Es vermehrt sich, Trieb für Trieb und Frucht für Frucht. Je größer die Saat und je furchtbarer der Boden je länger die Zeit und je weniger Füchse und Kater, desto mehr Triebe und Früchte trägt dieser Baum.

Wichtig zu vermitteln ist dabei, dass klassischerweise die Bank der sprichwörtliche Boden ist, dem wir das Geld, das wir gerade nicht benötigen, anvertrauen – und anvertrauen können. Die Bank schließlich macht etwas Ähnliches damit, wie der Boden mit der Saat: Sie reichert das Geld an, sodass es mit der Zeit die ersten Früchte trägt. Sie arbeitet damit, so wie dies im weitesten Sinne auch ein fruchtbarer Boden mit der Saat tut.

Wir können bestimmen, wie viel Geld wir „einpflanzen lassen“ wollen und wie lange die Blüte dauern soll, also die Laufzeit.  Wenn diese vorbei ist, hat sich unser „eingegrabenes“ Geld vermehrt. Somit können wir uns von einem ursprünglichen Sparbetrag von 50 Euro jetzt etwas kaufen, was 60 Euro kostet, ohne selbst die Differenz von 10 Euro draufgelegt zu haben.

Sollzinsen

Nehmen wir jetzt an, die 60 Euro reichen nicht ganz für die nächste spannende Anschaffung (Pony, Scooter, Fahrrad). Das fehlende Geld muss man sich als Kind also irgendwo leihen. Der nächste Bankschalter ist dabei gleich um die Ecke, also Mama, Papa, Oma, Opa oder andere spendable Verwandte. Wenn diese sich nun weichklopfen lassen und 10 oder 20 Euro springen lassen, fehlt ihnen an anderer Stelle eben genau dieser Betrag. Klar, Mama und Papa arbeiten und bekommen Gehalt, also können sie die paar Kröten doch sicher entbehren. Ja, aber natürlich nur gegen Zinsen. Schließlich ist es ihr Geld, dass sie ihrem Kind außerplanmäßig überlassen. Wenn Mama und Papa also 10 oder 20 Euro beisteuern, könnten sie dafür eine Art Leihgebühr verlangen, beispielsweise 1 oder 2 Euro. Das „entschädigt“ sie sozusagen dafür, dass sie sich in der Zeit, in der sie dieses Geld an ihr Kind verleihen, selbst kein Pony oder Fahrrad kaufen können.

Wenn das Kind nun dieses Darlehen bekommt, muss es am Ende nicht 10 oder 20, sondern eben 11 oder 22 Euro zurückbezahlen. Woher das Geld wiederum kommen soll? Klar, von Oma und Opa, die ihrerseits vielleicht nur 50 Cent Zinsen verlangen. Wäre das schon ein kindliches Cum-Ex-Geschäft oder ein sich gesund entwickelnder Geschäftssinn?

Vom Leihen lernen

Auch wenn man kein Freund Geld-tragender Flora ist, vermittelt das Bild vom wachsenden und Geldfrüchte tragenden Baum doch sehr anschaulich, wie Geld sich ganz von allein vermehrt, wenn man:

  • es in einen fruchtbaren Boden pflanzt
  • die richtige Menge an Saatgut wählt
  • dem Geld Zeit gibt, zu gedeihen

Andererseits ist es bei der Vermittlung von Wissen rund um das Thema Zinsen eben auch wichtig zu erklären, dass man immer nur so viel Geld einpflanzen sollte, wie man eben entbehren kann, dass man den Boden gut kennen sollte und dass man Geduld haben muss, damit die Ernte auch üppig ausfällt.

Ebenso geht es beim Thema Zinsen immer auch um Dynamik, Aufschub oder gar Verzicht von Anschaffungen:

  • Verleiht man sein Geld gegen Zinsen, nimmt dessen Menge automatisch zu. Je höher der verliehene Betrag, je länger die Zeit des Ausleihens und je höher die Leihgebühr (Zinsen), desto üppiger wächst es. Andererseits fehlt einem in diesem Zeitraum eben der entsprechende Betrag, was eventuell dazu führen kann, dass man das mittlerweile bekannte Pony erst später kaufen kann, spätestens wohl aber dann, wenn man sein Geld plus Zinsen zurückbekommt.
  • Leiht man sich andererseits Geld, muss man den Entleiher dafür eben entschädigen – und zwar durch das Bezahlen von Zinsen. Dafür aber kann man sich das Pony dann doch früher leisten. Und wenn man eine kleine Gebühr für einen Ritt auf dem Pony nimmt, kann man das geliehene Geld auch schnell zurückzahlen – nebst Zinsen, versteht sich.

Einfach das Mehrfache erklären

Wir Erwachsene wissen, dass Zinsen in Prozent berechnet werden. Doch Prozente sind kompliziert, in ihrer Funktionsweise und Erklärung. Daher sollte Kindern das Thema Zinsen zunächst in ganzen, einfachen Zahlen nähergebracht werden, d.h., bei einem Leih- oder entliehenen Betrag von 10 Euro ein Zins von 1 Euro, bei 20 Euro entsprechend 2 Euro. Und natürlich spricht nichts dagegen, ab und an den Buntstift zu schwingen und fantasievolle Prozentzeichen zu malen.

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